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Newsletter Nr. 38 – Oktober 2021

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Editorial
Dr. Petra Arndt
ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Liebe Leserinnen und Leser des ZNL-Newsletter,

die Corona-Krise hat vieles verändert. Wie alle Krisen hat sie neben vielen Schwierigkeiten auch neue Kräfte hervorgebracht. Vielfach konnte man eingangs große Solidarität erleben, die Menschen waren – trotz und mit Distanz – füreinander da. Vielen ist bewusst geworden, was wirklich zählt im Leben, es wurden Impfstoffe entwickelt und die ersten Medikamente kommen gerade auf den Markt. Aber es gibt ganz klare Verlierer der Pandemie: Viele Branchen und die dort arbeitenden Menschen, Kulturschaffende und Künstler und ganz besonders auch Kinder und Jugendliche. Diese haben während der Corona-Pandemie nicht nur Schulstoff verpasst, sondern auch viele andere wichtige Chancen für ihre Weiterentwicklung im Verein, bei Spiel, Spaß und Sport mit Freunden, während des Entdeckens ihrer Umwelt außerhalb der eigenen Wohnung. Viele gute Maßnahmen werden derzeit ergriffen, um schnell Hilfe zu bringen. Klar ist aber auch: Es wird langfristig und systematisch Unterstützung notwendig sein, um nicht nur fehlenden Schulstoff nachzuholen, sondern auch Entwicklungsschritte gezielt zu fördern, die zum Teil schon längst hätten erfolgt sein sollen und nun möglicherweise nicht mehr so natürlich und als „Selbstläufer“ erfolgen. Nur so können wir dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche keine Pandemie-Verlierer bleiben, sondern vielmehr die Fähigkeiten erwerben, die sie dazu befähigen, auch mit ähnlich großen Herausforderungen umzugehen, die die Zukunft uns noch bringen mag.
Wir wären nicht das ZNL, wenn es hierin nicht eine seiner wichtigsten Aufgaben sehen würde. Zwei Projekte, die hierzu einen Beitrag leisten, möchten wir Ihnen in diesem Newsletter vorstellen. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.

Unseren Newsletter-Leserinnen und -Lesern danken wir für ihr Interesse und wünschen eine unterhaltsame Lektüre.

Petra Arndt

P.S.: Auch unseren Newsletter hat Corona verändert. Nachdem wir uns während der Corona-Zeit darauf konzentriert haben, Tipps und Hilfestellungen zum Thema “Besondere Zeiten erfordern besondere Aktivitäten! Das ZNL möchte Sie und Ihre Familie unterstützen die Zeit positiv zu gestalten!” direkt auf unserer Webseite https://aktuell.znl-ulm.de zur Verfügung zu stellen, ist nun unser Newsletter zurück – in einem neuen, kompakteren Format. Wir hoffen, er gefällt Ihnen und freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

 

 

 

BeLL – Bewegte Kinder lernen leichter
Förderung der Selbstregulation durch Bewegung und Sport als Schlüssel für Lernerfolg und ein gutes soziales Miteinander
Laura Walk
, ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Gemeinsam mit dem Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) entwickelt das ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen ein Fortbildungskonzept für Übungsleiter*innen an Ganztagsschulen – insbesondere im Grundschulbereich. Inhalt des Fortbildungskonzepts ist die Förderung von exekutiven Funktionen und Selbstregulation durch Sport und Bewegung. In der Fortbildung erwerben die Teilnehmenden zentrale wissenschaftliche Erkenntnisse sowie praktisches Handlungswissen zur Bedeutung von „Exekutive Funktionen, Sport und Bewegung“ für das Lernen und die sozial-emotionale Entwicklung von Schulkindern. Mit dieser Fortbildung wird ein Beitrag für mehr Bewegung und Sport im Sinne einer ganzheitlichen Entwicklungsförderung für Kinder geleistet – gerade durch die Corona-Pandemie und die umgesetzten Maßnahmen ist dies ein wichtiger Ansatzpunkt, auch im Sinne von „Aufholen nach Corona“.

ZNL - Newsletter 38Die Schule hat wieder begonnen, aber der (Schul-)Alltag von Kindern sieht durch die Corona-Pandemie noch immer verändert aus: Soziale Kontakte waren lange nur sehr eingeschränkt möglich, Bewegungs- und Freizeitangebote fanden zum großen Teil nicht statt. Die getroffenen Maßnahmen führten zu deutlichen Auswirkungen bei vielen Kindern: Sie zeigen häufig ein verändertes Lern- und Sozialverhalten – besonders in der Gruppe. Außerdem hat sich die Fitness bei vielen Kindern verschlechtert. Diese Auswirkungen stehen einer gesunden Entwicklung von Kindern entgegen. Die Förderung der Selbstregulation durch Bewegung und Sport spielt hier eine wichtige Rolle und kann weiteren negativen Folgen entgegenwirken.

Grundlage für gute selbstregulatorische Fähigkeiten sind die sogenannten „Exekutiven Funktionen“. Dazu zählen Fähigkeiten wie zum Beispiel Impulse zu kontrollieren, die Aufmerksamkeit zu steuern, zielgerichtet vorzugehen sowie flexibel auf sich ändernde Bedingungen zu reagieren. Die exekutiven Funktionen stehen in engem Zusammenhang mit der sozial-emotionalen Entwicklung und der Lernleistung. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass exekutive Funktionen und Selbstregulation wichtig sind, um ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Leben zu führen. Dies betrifft Freundschaften und das soziale Miteinander, eine gesunde Lebensweise, das Lernen in der Schule und den späteren Erfolg im Beruf.

Und die gute Nachricht: Die Entwicklung dieser Fähigkeiten kann besonders in der Kindheit und durch Bewegung und Sport positiv beeinflusst werden!

Dafür suchen wir Übungsleiter*innen:
Eine ausgezeichnete Gelegenheit zur Fortbildung für die Ganztagsschule bietZNL - Newsletter 38et das E-Learning Angebot „BeLL“: Ganz flexibel zu Hause am PC und doch gemeinsam und unter Anleitung von Expert*innen werden die Teilnehmer*innen mit spannenden Erkenntnissen aus der Neurowissenschaft vertraut gemacht. Die Teilnehmer*innen werden in der Fortbildung befähigt, mithilfe zahlreicher Umsetzungsbeispiele, die sie in ihrer Praxis erproben, die exekutiven Funktionen und damit die Selbstregulation durch Bewegung und Sport gezielt zu fördern. Dabei wird der Altersbereich der Grundschule besonders im Fokus stehen. Durch das E-Learning Format kann eine Begleitung der praktischen Umsetzung erfolgen und auf die spezifischen Bedarfe der Teilnehmer*innen sowie die Gegebenheiten an den Ganztagsschulen eingegangen werden.

Diese Fortbildung wird gemeinsam vom Landessportbund und dem ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen der Universität Ulm entwickelt und durchgeführt. Das ZNL unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dem Thema „Exekutive Funktionen und Selbstregulation“.

Termin: Mitte November 2021 bis Ende Februar 2022 (Online Präsenztermine am 18.11.2021, 15.01.2022 und 11.02.2022 jeweils von 17:00 Uhr bis 18:30 Uhr)

Zielgruppe: Übungsleiter*innen bzw. Trainer*innen, die an Ganztagsschulen insbesondere im Grundschulbereich tätig sind

Vorrausetzung: Internetzugang, PC bzw. Laptop mit Kamera und Mikrofon

Referentin: Laura Walk, ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Kosten: Da es sich um ein Pilotprojekt handelt, ist die Teilnahme kostenfrei.

Die Fortbildung wird mit 15 Lerneinheiten zur Verlängerung der ÜL B Lizenz „Sport im Ganztag“ anerkannt. Außerdem erhalten die Teilnehmer*innen eine Teilnahmebestätigung des ZNL.

Anmeldung: Bis 29.10.2021 per Mail an k.riebke [AT] lsb-rlp.de
Info BeLL_qr-code

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ZNL - CorA-Kids
Auswirkungen der Corona-Pandemie auf exekutive Funktionen und sozial-emotionale Kompe-tenzen von Kindergartenkindern
Laura Walk & Anna Stegmüller, ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Das Forschungsprojekt ZNL - CorA-Kids hat das Ziel, festzustellen, in welchem Umfang und in welchen Unterbereichen die altersgemäße Entwicklung von sozial-emotionalen Kompetenzen und den diesen zugrundeliegenden exekutiven Funktionen durch die Corona-Situation beeinträchtigt wurde. Dieses Wissen wird dringend benötigt, um datenbasiert Empfehlungen und zielführende Unterstützungsmaßnahmen ableiten zu können, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Kinder sowie die Bedarfe der betreuenden Einrichtungen abgestimmt sind. Das Projekt wird von der Baden-Württemberg Stiftung finanziell unterstützt.

Die Entwicklung der exekutiven Funktionen und der Fähigkeit zur Selbstregulation ist von außerordentlicher Relevanz, da sie sowohl die Basis für angemessenes Sozialverhalten und ein gelingendes soziales Miteinander darstellen, als auch eine zentrale Grundlage für Lernprozesse, kognitive Entwicklung und späteren Lebenserfolg bilden. Durch die getroffenen Maßnahmen, um die Corona-Pandemie einzudämmen, hat sich der Alltag von Kindern stark verändert. Gerade die für die Entwicklung der exekutiven Funktionen und Selbstregulation relevanten Erfahrungsmöglichkeiten (u.a. soziale Kontakte, Bewegungsangebote, gezielte pädagogische Entwicklungsanregungen) waren während der Pandemie für viele Kinder nur eingeschränkt zZNL - Newsletter 38ugänglich. Erste Auswirkungen wurden und werden bereits wissenschaftlich untersucht. Ergebnisse der COPSY-Studie zeigen, dass fast jedes dritte Kind ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten leidet. Sorgen und Ängste haben zugenommen, auch depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden sind verstärkt zu beobachten. Diese Ergebnisse decken sich mit den Beobachtungen, die uns pädagogische Fachkräfte berichten: Die Kinder zeigten u.a. Probleme, sich wieder in den Kindergartenalltag einzufinden und sich im Kontakt mit anderen in diese hineinzuversetzen. Insbesondere sozial-emotionale Kompetenzen und die Selbstregulation seien beeinträchtigt.

Dementsprechend könnte in der Stärkung der in diesem Projekt untersuchten Fähigkeitsbereiche ein entscheidender Schlüssel für die Reduzierung weiterer pandemiebedingter Entwicklungsrisiken liegen.

Unter anderem sollen folgende Fragen in ZNL - CorA-Kids untersucht werden:

  1. Wie sind die exekutiven Funktionen und sozial-emotionalen Fähigkeiten der Kindergartenkinder ausgeprägt? Welche Unterschiede zeigen sich im Vergleich von Kindern vor und nach der Pandemie?
  2. Welche Empfehlungen und Unterstützungsangebote können den Kindergärten auf der Grundlage der Ergebnisse gemacht werden?

Mit ZNL - CorA-Kids möchten wir Einrichtungen unterstützen, ihre Kinder gut aus der Krise zu begleiten.

Hinweis für Kindergärten:
ZNL - Newsletter 38Da wir aktuell noch ein paar freie Plätze haben, können sich Kindergärten aus Baden-Württemberg für eine Teilnahme an CorA-Kids noch bis zum 22.10.2021 bei uns melden.
Dafür schreiben Sie uns bitte einfach eine kurze Mail. Alle weiteren Informationen werden Sie dann von uns erhalten. Sollten Sie weitere Fragen zur Projektteilnahme oder den Inhalten haben, zögern Sie nicht und kontaktieren Sie uns.

Kontakt:
E-Mail: corakids [AT] znl-ulm.de
Telefon: 0731 – 500 62006 (Laura Walk, vormittags)

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